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  • AutorenbildLeo Köppen

Was ist Systemische Therapie?

Die systemische Therapie ist eine Form der Psychotherapie, die ihren Fokus auf das soziale Umfeld und die Beziehungen einer Person legt. Sie betrachtet nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch die Interaktionen und Muster innerhalb der Familie, Partnerschaft oder anderer sozialer Gruppen. Diese Therapieform hat sich in den letzten Jahrzehnten als wirksame Methode zur Behandlung einer Vielzahl von psychischen und emotionalen Problemen etabliert. Doch was genau macht die systemische Therapie aus, und wie unterscheidet sie sich von anderen Therapieansätzen?


Ursprung und Entwicklung


Die Wurzeln der systemischen Therapie reichen bis in die 1950er Jahre zurück, als Therapeuten und Forscher begannen, psychische Probleme nicht isoliert, sondern im Kontext von Familienstrukturen zu betrachten. Ein Pionier dieser Bewegung war der amerikanische Psychiater und Psychoanalytiker Murray Bowen, der das Konzept der Familientherapie entwickelte. Im Laufe der Jahre haben sich verschiedene Schulen und Ansätze innerhalb der systemischen Therapie herausgebildet, darunter die Mailänder Schule und die Heidelberger Schule, die jeweils eigene Methoden und Techniken einbrachten.


Grundprinzipien der systemischen Therapie


1. Systemischer Ansatz

Im Zentrum der systemischen Therapie steht der Gedanke, dass Menschen Teil von sozialen Systemen sind, die einen erheblichen Einfluss auf ihr Verhalten und ihr Erleben haben. Ein System kann eine Familie, eine Partnerschaft, ein Team oder eine andere soziale Gruppe sein. Die Probleme und Symptome eines Einzelnen werden als Ausdruck von Dysfunktionen oder Kommunikationsstörungen innerhalb dieses Systems verstanden.

2. Ressourcenorientierung

Die systemische Therapie legt großen Wert auf die Stärken und Ressourcen der Klienten. Anstatt sich ausschließlich auf Probleme und Defizite zu konzentrieren, ermutigt sie die Menschen, ihre vorhandenen Fähigkeiten und positiven Beziehungen zu nutzen, um Veränderungen herbeizuführen.

3. Lösungsorientierung

Ein weiterer zentraler Aspekt der systemischen Therapie ist die Lösungsorientierung. Anstatt lange in der Problemanalyse zu verweilen, wird versucht, konkrete und praktische Lösungen zu finden. Dies geschieht oft durch das Setzen kleiner, erreichbarer Ziele und das Erproben neuer Verhaltensweisen im Alltag.

4. Zirkularität

Die systemische Therapie betrachtet die Wechselwirkungen zwischen den Mitgliedern eines Systems. Es wird davon ausgegangen, dass Verhalten und Kommunikation in Kreisläufen stattfinden, bei denen das Verhalten einer Person das Verhalten anderer beeinflusst und umgekehrt. Diese zirkulären Muster werden in der Therapie untersucht und bewusst gemacht.

Methoden und Techniken


1. Genogramm

Ein Genogramm ist eine grafische Darstellung einer Familie über mehrere Generationen hinweg, ähnlich einem Stammbaum. Es hilft dabei, Muster und wiederkehrende Themen in Familien zu erkennen und zu verstehen.

2. Zirkuläre Fragen

Diese Fragen zielen darauf ab, die Perspektiven der verschiedenen Mitglieder eines Systems zu erfassen und zu beleuchten, wie sie die Interaktionen und Beziehungen wahrnehmen. Ein Beispiel für eine zirkuläre Frage könnte sein: „Wie glauben Sie, dass Ihr Partner Ihre Reaktion auf dieses Ereignis versteht?“

3. Skulpturarbeit

In dieser Technik stellen die Mitglieder eines Systems ihre Beziehungen und Interaktionen räumlich dar, indem sie Positionen und Haltungen einnehmen, die ihre Gefühle und Dynamiken symbolisieren. Dies kann helfen, unbewusste Muster sichtbar zu machen und neue Perspektiven zu entwickeln.

4. Reframing

Beim Reframing wird ein Problem oder eine Situation in einem neuen, oft positiven Licht betrachtet. Dies kann helfen, festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen und neue Lösungswege zu finden.


Anwendungsgebiete

Die systemische Therapie wird bei einer Vielzahl von Problemen und Störungen eingesetzt, darunter:

  • Beziehungsprobleme: Paare und Familien, die Schwierigkeiten in ihrer Kommunikation oder Dynamik erleben.

  • Psychische Störungen: Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und andere psychische Erkrankungen.

  • Krisenbewältigung: Unterstützung in Lebenskrisen, wie etwa bei Trennung, Verlust oder beruflichen Herausforderungen.

  • Suchtproblematiken: Behandlung von Abhängigkeiten und deren Auswirkungen auf das soziale Umfeld.

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